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Impressionen vom WE

Zuerst ein Hinweis: Ich habe noch ein Leben jenseits der Piraten. Dies wird sich nicht zu einem reinen Piratenblog entwickeln, aber da ich nun Teil dieser (Partei? Bewegung? Spinner?) Truppe bin werde ich hier hin und wieder auch was bloggen zu.

Ich habe also am vergangen Wochenende zum allerersten Mal auf einer größeren Piratenpartei-Veranstaltung mitgemacht. Im vergangenen Herbst hab ich den Bundesparteitag (BPT) der Piraten in Bochum besucht, das liegt in guter Näher zur BigCity, da habe ich einfach mal die günstige Gelegenheit genutzt. Von Mitmachen konnte da aber keine Rede sein, war ja nur Besucher für ein paar Stunden. Allerdings habe ich damals ein paar Diskussionen mitbekommen, im Gedächtnis geblieben ist mir die Diskussion um den Zeitreiseantrag.

Ja genau, derselbe. Der in den Medien breit getreten wurde. Über den halb Deutschland gelacht hat. Wie die Piraten auf dem Bundesparteitag in Bochum. Ich hatte den Eindruck dass der Antrag deshalb vorgezogen wurde, damit er abgelehnt werden konnte. Sonst wäre er bestimmt weiter herumgegeistert und stünde auf jedem anderen folgenden BPT wieder auf der Antragsliste, ohne dass klar wäre was die Piraten eigentlich davon halten.

Schlenker zum vergangen LPT in Bottrop: Auch dort stand der Antrag auf der Tagesordnung, soweit ich weiß wurde er aber nicht behandelt, gab schlicht wichtigeres abzuarbeiten als das Thema Zeitreise.

Nicht dass dieses Thema von verschiedenen Medien genau beobachtet wurde, ich habe persönlich mitbekommen wie die BLÖD-Zeitung dazu angefragt hat, wann das behandelt wird and so on.

OMG! Als ob es bei den Piraten nichts anderes gäbe als diesen dummen Zeitreiseantrag!

Nun gut, was hab ich alles so erlebt am WE in Bottrop? Wenn ich mir vorher nicht wirklich sicher war ob ich mit der Piratenpartei die für mich richtige Wahl getroffen habe so sind meine Bedenken nach dem WE ausgeräumt. Ich habe jede Menge Gespräche mit verschiedenen Menschen führen dürfen und Diskussionen miterlebt. Ich habe den Willen und die Bereitschaft zum Handeln bei jedem der vielen Wahlgänge hautnah miterlebt, ich durfte als Wahlhelfer mitarbeiten.

Habe die zermürbende Debatte um die Finanzierungsfragen am Sonntag miterlebt und den Wahlkrimi um den ersten Vorsitzenden am Samstag. (3 Stimmen Vorsprung!) Die nicht enden wollenden Wahlen bis es endlich ein Schiedsgericht gab (3 Wahlgänge notwendig) und die einstimmige Entscheidung (via Twitter während Heimreise mit verfolgt) über die Unvereinbarkeit der Piratenmitgliedschaft mit der Mitgliedschaft in solch illustren Organisationen wie der NPD, Pro NRW und ähnlichem Gesocks!

Ein nachdenkliches Gespräch mit dem berühmten Fotografenpiraten Tobias Eckrich (@derunterstrich auf twitter) über die Stimmung auf dem LPT; das große Medieninteresse zu den Vorstandswahlen am Samstag und am Sonntag war fast kein Medienvertreter da; das immer wieder zusammenbrechende W-LAN-Netz und die Probleme mit dem Stream (ongoing problems); mein vertrauliches Gespräch mit anderen Piraten über mögliche Handlungsansätze über ein bestimmtes Thema was mich zur Zeit bewegt(die Betroffenen wissen was ich meine); die witzige Kamera über dem Infomaterial, nachdem rechte Propaganda in einigen Grundsatzprogrammen/Kompassen entdeckt wurde (Wer war das? WER WAR DAS? GRRRR…); der Witz mit der sich drehenden Grünpflanze mitten auf dem Podium (diesen Witz hab ich immer noch nicht ganz verstanden, sags durch die Blume?); mein peinlichster Augenblick auf dem LPT als ich die Tür zum Orga-Raum aufmache und mitten in eine Vorstandsitzung/übergabe? platze (Sorry LV-Guys and Girls, but next time please put „Bitte nicht stören“ or something else on front of the door, helps me and you for sure); das Gefühl dazuzugehören, keiner fragte mich je wie lange ich schon Mitglied in der Partei sei, was ich denn überhaupt hier mache, warum ich hier sei oder so, diese schlichte und grundlegende Akzeptanz á la “ Hey schön dass du hier bist, wie geht´s?“.

Das alles und noch mehr blitzt in meinem Kopf auf während ich dies hier in die Tastatur eintippe, im Nachhinein ist mir besonders diese grundlegende Offenheit im Bewusstsein geblieben. Ich habe zu keinem Zeitpunkt das Gefühl gehabt nicht erwünscht zu sein (Ausnahme siehe oben LV-Guys and Girls) oder das meine Meinung und Standpunkte unwichtig seien.

Die ganze Veranstaltung kam mir auch nicht so steif, hölzern und durchgeplant vor wie ich das bei den meisten anderen Parteien erlebe.

Sondern lebendig, direkt und chaotisch. Mit anderen Worten: Piraten.

Sehr lebendige Truppe, häufig und meist schmerzhaft direkt und mit großer Sicherheit chaotisch, man muss schon selber denken, sich informieren und zurechtfinden. (Obwohl vlt. ein paar mehr Hilfsoptionen auch nicht schlecht wären)

Passt nicht jedem, aber passt zu mir.

Darum.

Pirat!

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