Augen auf beim Titelkauf

Ich habe schon im April auf Telepolis diesen Artikel gelesen, und der hat mich ziemlich stutzig gemacht. Wenige Tage später las ich dann auf Gutjahr´s Blog über dieses Thema, er interviewte dabei auch Fr. Ihnenfeldt. Die ganze Sache klingt so verrückt, man meint direkt den deutschen Amtsschimmel wiehern zu hören.

Kurze Zusammenfassung: Eine Frau bekommt von ihren Kindern einen Scherztitel einer obskuren amerikanischen Organisation aus Florida geschenkt, berichtet in ihrem Blog erkennbar belustigend über das Thema, aus den Untiefen des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie in Schleswig-Holstein wird die Staatsanwaltschaft in Lübeck auf den „Fall“ aufmerksam gemacht und wenige Monate später durchsucht die Polizei generalstabsmäßig organisiert deutschlandweit ihre und 100 weitere Wohnungen wegen Verdacht des Titelmissbrauchs.

Kaum zu glauben? Leider wahr, ich habe persönlich vergangene Woche mit Eva Ihnenfeldt über das Thema gesprochen. Damit hier keine Missverständnisse auftauchen: Es ist nicht mal wirklich klar ob der Kauf eines Dr. h.c. überhaupt rechtswidrig ist, schon bei kurzer Recherche fand ich ein paar Urteile: hier, hier und Wikipedia meint dies dazu.

Ein Einzelfall? Schwer zu glauben, nach Akteneinsicht die Fr. Ihnenfeldt nehmen konnte waren die 100 Hausdurchsuchungen als Massendruck konzipiert, mit dem gleichen Text zur Begründung einer Hausdurchsuchung und wenigen freien Stellen, wo Namen und ähnliches eingetragen werden konnten.

Außerdem: Es war wirklich trivial herauszufinden dass Fr. Ihnenfeldt einen Titel gekauft hat, immerhin hat Sie selbst davon auf ihrem Blog berichtet. Wozu also noch eine Hausdurchsuchung? Sie hat es ja schon zuzugegeben!

Aber es scheint in Deutschland sehr leicht geworden zu sein, Hausdurchsuchungen durchzuführen. Immerhin geht es hier nicht um Organisierte Kriminalität, Terrorismus oder Gewaltverbrechen, sondern nur um ein Vergehen (132a STGB), also eine minder schwere Straftat.

Weitere Beispiele für mindestens fragwürdige Hausdurchsuchungen? Vermutlich Legion, ein paar Beispiele sind hier und in größerem Maßstab betrachtet hier.

In meinen Augen ist dies ein sehr gefährlicher und unhaltbarer Zustand unseres Rechtssystems, wenn Hausdurchsuchungen wie hier von der Staatsanwaltschaft Lübeck damit begründet werden, dass „Hausdurchsuchungen seien in solchen Fällen „sicherlich verhältnismäßig“, weil sie „auch der Entlastung der Verdächtigen“ dienten.“

Ich habe noch nie eine Hausdurchsuchung über mich ergehen lassen müssen, aber nach den Erfahrungen die Fr. Ihnenfeldt auf ihren Blog SteadyNews beschreibt, ist es keine schöne Angelegenheit. Mit teils drastischen Folgen, es muss noch nicht mal zu einer Anklage kommen. Die Nachbarn erleben dass mit, man ist selbst geschockt durch die Hausdurchsuchung, es entstehen Kosten auf denen man sitzenbleibt und und und.

Was lernen wir daraus? Nicht jede/r kann die Öffentlichkeit so mobilisieren wie es Fr. Ihnenfeldt kann, aber wenn es gelingt kann man versuchen die Probleme allgemein anzugehen.

Und sich wehren.

Wie?

Hier z.B. erzählt Eva in aller Kürze von dem Fall und bittet um Hilfe, die Anderen von Hausdurchsuchungen wegen Verdacht auf Titelmissbrauchs geplagten zu finden und sie zu kontaktieren, damit gemeinsam dagegen vorgegangen werden kann.

In diesem Sinne: Spread the word!

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