Über Piraten und andere Wesen

Gestern habe ich hier im Blog klar gemacht, dass ich inzwischen ein Mitglied der Freibeuter-Mannschaft Deutschlands bin.

(Tl;dr-Warnung: Dieser Blogartikel ist wirklich lang und kann ihre Aufmerksamkeitsspanne beeinflussen.)

Ich bin da Mitglied geworden aus Überzeugung oder #ausgründen, wie dass bei Twitter so heißt. Dort bin ich seit ein paar Tagen nämlich auch unterwegs. Das hat auf den ersten Blick erst mal nicht viel miteinander zu tun, gibt ja wahnsinnig viele Menschen die bei Twitter mitmachen und nur ein äußerst geringer Prozentsatz hat irgendwas mit den Piraten zu tun.

Nun ja. Vor ein paar Wochen sollte ich hier im lokalen Teil meiner BigCity ´ne Veranstaltung moderieren, nix wildes ging nur drum freies Diskutieren zu üben. Zur Vorbereitung dieser hab ich nach Informationen gesucht und ganz klassisch um Hilfe gefragt, via Mail.

(Ich weiß, richtig KLASSISCH wäre wohl Telefonieren gewesen oder mehr noch, Brieftauben abschicken. Hängt vom Standpunkt ab was man als Klassisch betrachtet, was wohl die alten Griechen so als „klassisch“ in diesem Sinne gemeint haben? Signalfeuer vielleicht? ich schweife ab)

Ich bekam ein paar Infos und auch die Frage ob ich denn auf Twitter sei. Hmm da hab ich geantwortet nein da könnte ich mich aber kurz anmelden, geht ja schnell und die Leute mal kurz anschreiben.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich aber schon einen Twitter-Account, nur hatte ich den noch so anonym wie es nur geht, ich wollte damals keine Verbindung zwischen den Piraten und meinem Blog/Twitteracount. Ich war mir zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht wirklich sicher ob ich Mitglied bleibe. Ich teile zwar viele Ideen und Grundsätze die im Grundsatzprogram aufgeführt sind, aber ich habs mir vorher meinem Beitritt auch nicht durchgelesen.

Es war die Bereitschaft Politik neu anzugehen, die eingelaufenen Wege zu hinterfragen und die Offenheit, mit denen die Piraten auf die Möglichkeiten des Netzes zugehen, die mich wirklich bewegt haben der Partei eine Chance zu geben. Dazu noch der erklärte Willen politische Partizipation und Einbeziehung in Entscheidungen möglichst aller nicht nur als Floskeln zu gebrauchen sondern dies wirklich anzugehen.

Mit schmerzhaften Folgen, Basisdemokratie, Mitmachkultur und offene Kommunikation ist alles andere als einfach, eigentlich eher das Gegenteil. Es erfordert enorm viel Zeit und Engagement, führt oft zu Frust, Erschöpfung und Enttäuschung  und Fehler, Missverständnisse und Streitereien gelangen sehr schnell an die Öffentlichkeit, gerade wenn umstrittene Themengebiete betroffen sind. Ist ja auch kein Wunder, die Nachricht dass Arbeitsgruppe X erfolgreich arbeitet ist keine Nachricht, der Streit um Thema X mit persönlichen Anfeindungen, Intrigen und Vorwürfen ist dagegen eine.

Mit wunderbaren Folgen, denn es existiert der erklärte Wille Politik anders zu machen. Nicht das allein entscheidet sondern wie man „anders“ versteht, es gibt ja auch noch ein paar andere Ideen unsere Gesellschaft zu organisieren. Ich hab mir da ein paar angeguckt, aber keine hat mich so richtig überzeugt.

Hmm, nu brauch ich einen Schwenker auf Twitter. Vielleicht so:

Logischerweise hab ich schon seit einiger Zeit von Twitter was gehört und gelesen, auch auf manchen Blogs die ich lese gibt es sowas wie „Meine besten Tweets der Woche“ oder „Meine Tweet-Favoriten der Woche“ etc. pp. Das hat mich neugierig gemacht und letzten Endes hab ich mir dann doch kurzentschlossen einen Account zugelegt. Ein paar Accounts gesucht von Blogs und so die ich sowieso gut fand und fertig.

So, jetzt war ich auch bei Twitter. Und nu?

Hab ich erst mal gar nix gemacht und nur sehr, sehr selten drauf geschaut. Bis vergangene Woche, seitdem hab ich nämlich Twitter auf meinem Handy. Ich bin immer noch misstrauisch ob die App wirklich so viele Berechtigungen braucht, aber ich habs trotzdem erst mal installiert.

Dann kam der LPT in Bottrop.

Was soll ich sagen… WOW.

Ich hab begonnen Twitter ein paar Tage vor dem LPT aktiv zu nutzen, auf dem LPT habe ich quasi mein Handy nicht mehr weggelegt. Allein an diesem Wochenende habe ich 10 Follower gefunden und bin von einer sehr netten und freundlichen Piratin, deren Name ich mir leider nicht mal merken konnte, gefragt worden ob sie mir auf Twitter folgen dürfte.

Wir waren beide im Wahlhelferteam, jeder der auf dem LPT dabei war weiß was das heißt.

*Hier an dieser Stelle (vielleicht lest ihr diesen Text ja irgendwann mal) noch eine ganz großes DANKESCHÖN an die lieben Wahlhelfer und ganz besonders Daumen hoch an Andreas Graf aka  VV1ntermute, der als Wahlleiter die insgesamt 15 geheimen Wahlen geführt hat. Und das obwohl er am Ende sogar schmerzhaft gestürzt und sich verletzt hat. Das war ein Fulltime-Job, vom LPT hat Andreas so nicht viel gehabt. *

Ich folge der freundlichen Piratin natürlich auch, und inzwischen noch so einigen weiteren. Wer das sehen will kann ja jederzeit auf meinen Twitter-Account gucken, wird im Anschluss an diesen Text im Impressum allgemein veröffentlicht.

Worauf ich hinauswill ist folgendes: Obwohl ich über die Vorteile (und Nachteile, die hat Twitter auch) gut informiert war, schon seit Jahren immer wieder im Netz surfe und inzwischen seit ein paar Wochen hier blogge, hab ich mich nicht wirklich, (hmmm getraut? es für nötig gehalten? sonderlich dafür interessiert? something like this) bei Twitter mitzumachen. Niemand hat mich davon abgehalten oder es mir gar verboten diese Möglichkeit zu nutzen, ich sah bisher entweder keine Notwendigkeit dazu, war misstrauisch wegen Abgabe meiner Daten/Informationen (Stichwort Anonymität, Datenhandel) oder war schlicht uninteressiert im Sinne von:

 Wozu brauch ich Twitter? Ich weiß doch darüber Bescheid.

Ich hatte einfach keinen Bezug dazu und konnte mir auch so recht nichts drunter vorstellen.

DAS hat sich nun fundamental geändert.

Es war irgendwie mein „AHA“ -Erlebnis auf dem LPT, spätestens als ich und ein paar Kollegen aufbrechen mussten, obwohl wir noch so brennend gern über die Satzungsänderungsanträge zur Finanzierung anderer Landesverbände mit abgestimmt hätten. Keine Chance, geheime Wahl wurde gefordert und allein das Klären welche Stimmenmehrheit nun genau gefordert ist und wie abgestimmt wird dauerte zu lange für uns. (Ich hab die Diskussionen im Wahlbereich kurz mitbekommen). 

Zeitgleich wurde ja über die Nichtvereinbarkeit verschiedener Parteien/Organisationen mit der Mitgliedschaft in der Piratenpartei diskutiert, in meinen Augen gab´s da eigentlich nicht viel misszuverstehen/ Diskussionsbedarf (oh nee kein Politikersprech; noch nicht ;p) 

Wenigstens da hätte ich brennend gern mit abgestimmt, aber die Zeit lief erbarmungslos weiter. Also Tschüss und viel Erfolg and so on, see ya next time.

Auf dem Heimweg klebte ich förmlich am Smartphone, danke an die drei Piraten die mit mir aufbrachen und denen ich einfach hinterher trotten konnte ohne aufzusehen, wäre sonst bestimmt gegen Baum oder so gelaufen. Ständig schaute ich auf Twitter nach ob es irgendwelche Neuigkeiten gab bezüglich der Wahlen.

Unvereinbarkeit ist durch, Yes. Sogar einstimmig, suuuuper. Und dann: Satzungsänderungsantrag Nr. 43 ist angenommen, JAWOHL!!!

Seitdem lässt mich Twitter nicht mehr los. Ich habe es angenommen und muss mich damit noch zurechtfinden, bei manchen Abkürzung weiß ich noch gar nicht was die bedeuten, z.b. RT steht für Re-Tweet, das muss man auch erst mal wissen. Und wie genau funktioniert das mit den Listen? Wie schnell/langsam ist es üblich auf Direktnachrichten zu antworten, soll ich Dankeschön an einen Follower schicken, was retweete ich/was besser nicht, was soll ich favorisieren?

Davon hab ich noch nicht wirklich ´ne Ahnung, aber wie heißt es so schön: Learning by Doing. Gilt für die Piraten wie für Twitter. Wer weiß wo die Reise noch hingeht? Niemand. Die Piraten sagen dass auch ganz offen, noch ein Grund sie zu mögen. Herrlicher Unterschied zu all den anderen Parteien die schon eine Lösung haben, welche meist auch noch mit irgendwelchen „Sachzwängen“ begründet wird.

Menschen haben ein paar „Sachzwänge“, wir müssen alle atmen, was essen/trinken, schlafen und gelegentlich aufs Klo, da haben wir keine Wahl. Sonst sterben wir viel früher als wir sowieso irgendwann mal Tschüss sagen müssen.

Der Rest ist Verhandlungssache, wer macht wie was genau für wen und warum, schließlich bestimmen wir alle mit wie unser Leben auf dem Planeten Erde so verläuft.

Nur können Sehr Wenige viel mehr bestimmen als sehr Viele, aber daraus ergibt sich nicht ein „Systemzwang“ irgendeiner Art, warum dieses oder jenes getan oder nicht getan werden müsste.

Sondern eher ein Grund was daran zu ändern dass es diesen „Systemzwang“ gibt, sprich dass Sehr Wenige über die Sehr Vielen bestimmen.

War die Lösung dafür nicht mal die Idee von Demokratie? Vielokratie? Herrschaft der Vielen?

Ok mit diesen schon leicht philosophischen Gedanken beende ich jetzt mal diesen Blogeintrag.

Danke an alle die bis zum bitteren Ende durchgehalten und diesen Text ganz gelesen haben. Wer mir was zu sagen hat – mir vielleicht zustimmt, ähnliche Gedanken hat oder mich für einen kompletten Vollidioten und naiven Spinner hält – bitte.

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