Was machen wir mit Müll?

Ein interessantes Video von Vetter´s Law, es geht um die Frage inwieweit es verboten oder erlaubt ist, Lebensmittel aus den Müllcontainern von Geschäften zu nehmen, das ganze nennt man wohl „Containern“. Ich habe immer mal wieder vage was davon gehört, aber in dem Video wird gut erklärt was aus juristischer Sicht das Problem am Containern ist. Udo Vetter lässt an seiner Sympathie für Containern keine Zweifel, ich selbst stehe der Idee grundsätzlich positv gegenüber.

Es macht mich nur nachdenklich was es bedeutet wenn Containern rechtsstaatlich auf besseren Boden gestellt würde, das juristisch abzuklopfen erscheint mir als Laie nicht besonders schwer.

Es bedeutet in meinen Augen eine gesellschaftliche Akzeptanz, wenn Containern „erlaubt“, „geduldet“ oder wie auch immer juristisch wasserdicht gemacht wird, dafür müssen entsprechende Institututionen handeln in Form von Gesetzen, Anordnungen, Handlungsanweisungen etc…

Um mich nicht misszuverstehen: Ich finde Containern als Ausdruck eines Protestes gegen die Konsum- und Wegwerfgesellschaft absolut unterstützenswert. In der Kostenkalkulation der Produkthersteller ist das Wegwerfen eines Teiles der Produktion von vornherein berücksichtigt, sprich es wird sowieso damit „gerechnet“ das eingesetzte Kapital (Rohstoffe, Geld, Maschinen, Arbeiter etc…) nicht mit der Verwertung aller dadurch produzierten Güter rekapitalisieren zu können, dennoch wird einen Gewinn zu erzielt.

Es ist also in unserem Wirtschaftssystem eingebaut dass ein Teil der Produkte einzig und allein für die Mülltonne produziert werden.

An diesem Punkt setzten ja beispielsweise die hinlänglich bekannten Tafeln ein. Was ich davon halte habe ich vor wenigen Tagen geschrieben, muss hier nicht wiederholt werden.

Worauf ich hinauswill ist folgendes: Containern wird nicht nur freiwilig aus politischen/ideologischen/moralischen Gründen gemacht sondern auch gezwungenermassen aus der materiellen Not der Menschen. Die Hemmschwelle aus materieller Not gezwungen zu sein buchstäblich im Müll zu wühlen ist sehr hoch, dennoch sehe ich fast jeden Tag Menschen die auf der Suche nach Pfandflaschen in Müllbehältern wühlen. Die lassen sich zu Geld machen, damit können diese Menschen beispielsweise mehr oder bessere Lebensmittel kaufen.

Wenn nun aber Containern gesellschaftlich akzeptiert oder hingenommen wird (im Sinne der juristischen Frage) ist dies in meinen Augen ein weiterer Schritt in eine gefährliche Richtung: Ich habe dabei das Bild von Menschen im Kopf, die z.b. in Indien, Nigeria oder Brasilien im Müll wühlen um noch verwertbare Reste zu finden. Dies wird dort juristisch  geduldet und gesellschaftlich hingenommen.

ABER: Diese Menschen tun dies nicht freiwillig aus konsumkritischen Gründen oder Widerstands gegen die Wegwerfgesellschaft, diese Menschen sind dazu gezwungen weil ihnen nichts anderes übrigbleibt.

Sollen wir hier in Deutschland diesen Weg wirklich gehen?

Wir sind in meinen Augen auf diesem Weg sowieso schon sehr weit.

Wenn ich mir die sozialpolitischen Diskussionen der letzten Jahre vor Augen führe und Containern juristisch geduldet wird kann ich mir vorstellen wie das wohl abliefe:

Es würde auf die Freiwilligkeit des Containern hingewiesen; auf die hohe Qualität der Lebensmittel die ja auch nach Ablauf des MHD meist noch in Ordnung sind; es würde auf die Vorteile der Verwertung von nicht genutzten Lebensmitteln hingewiesen, da ja dann weniger produziert werden müssten (Umwelt! Resourcenschonung!); es gäbe Interviews mit Aktivisten die eine Legalisierung begrüssen weil Rechtssicherheit; das Containern sei ja nur vorübergehend nötig; es würden vielleicht spezielle Boxen aufgestellt um leichter an den Müll zu kommen etc…

Ihr meint ich spinne da rum und dieser Artikel ist schon viel zu lang zum Lesen? Tja mit dem letzteren könntet ihr Recht haben, mit dem ersteren Argument…

Schaut euch um.

Wie selbstverständlich ist es mittlerweile dass Menschen im Müll nach Pfandflaschen wühlen?

Ich selber bemerke es auch kaum noch. Obwohl ich ALG-II beziehe bin ich noch nicht so weit nach Pfandflaschen zu wühlen. Darüber nachgedacht habe ich aber schon. Ich bemühe mich diejenigen nicht moralisch zu verurteilen, denke aber häufig „Die armen Schweine“ und bin doch froh, selber noch nicht drauf angewiesen zu sein.

Was soll man anders machen, weil kritisieren kann ja jeder aber wo bitte konstruktive Vorschläge?

Ich habe keine direkten Vorschläge.

Ich habe nur meine Gedanken und Überlegungen.

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